3. September 2018 Renate Adolph

Gysi in Strausberg:

Foto: Renate Adolph

Gregor Gysi ließ es sich nicht nehmen, am 1. September, dem Weltfriedenstag, nach Strausberg innerhalb der Friedenswochen der LINKEN zu kommen. Am Vortag hatte er noch auf einer Veranstaltung in der Geburtsstadt von Karl Marx, in Trier, gesprochen. Anschließend, nach seiner Rede auf dem Strausberger Alten Gutshof ist er mit Bürgerinnen und Bürgern in seinem Wahlkreis in Berlin Köpenick verabredet.

Und wie immer, wenn Gysi  angesagt ist, drängen sich weit über 150 interessierte Zuhörer in dem großen Saal, so dass mit Lautsprechern  seine politische Analyse zusätzlich auf den Gutshof übertragen werden muss. 

Hart kritisiert der Präsident der Europäischen Linken und Bundestagsabgeordnete die herrschende Politik, die nicht energisch genug die brennenden Fragen der Zeit wie Krieg und Frieden, soziale Probleme und den Klimawandel angehe. Die Menschen suchten zunehmend im rechten Lager einen Halt. Politik, Medien, Kunst, Wissenschaft hätten bei der Aufklärung versagt. Viele machten Flüchtlinge zu Sündenböcken für Schieflagen in der Gesellschaft verantwortlich. Gerade Ostdeutsche sähen sich auf der Verliererseite nach der Wende, unterstrecht er. 

 

Geeint gegen internationale Konzerne 

Die Linke müsse auf die sozialen Menschheitsfragen Antworten suchen und finden. Sie dürfe das Anwachsen der Rechten nicht zulassen, die  mit einfachen Erklärungsmustern und Hetze operiere. Gregor Gysi verweist auf die Bedeutung des Internationalismus im Kampf gegen das Großkapital, die wahren Verursacher von Ausbeutung und Ungleichheit in einer internationalen kapitalistischen Weltwirtschaft. Arme dürften nicht gegen Arme ausgespielt werden. Er erinnert angesichts erstarkender nationaler Egoismen an die noch immer zutreffende Aufforderung von Marx und Engels: Proletarier aller Länder vereinigt Euch!

Es sei verheerend, dass Deutschland den Konfrontationskurs gegen Russland mittrage. Ohne Russland könne es keinen Frieden in der Welt geben. Sanktionen seien ein Fehler, auch für die deutsche Wirtschaft.

Die Rüstungsausgaben stiegen in der Bundesrepublik ständig. Waren es 2018 noch 38,5 Milliarden Euro, betragen sie 2019 rund 43 Milliarden, obwohl es keine Kriegsgefahr für Deutschland gäbe. Bei dem Erreichen des Ziels, 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Militär auszugeben, werden es etwa 75 Milliarden Euro sein. Was könnte man damit alles für den sozialen Frieden im eigenen Land tun gegen soziale Schieflagen, für Bildung, Chancengleichheit, Gesundheit und Forschung zum Beispiel, fragt Gysi.

Deutschland dürfte sich nicht weiter an den 14 Auslandseinsätzen beteiligen. Zudem müssten die Waffenexporte als eine der Flüchtlingsursachen endlich eingestellt werden. Alle 14 Minuten stirbt ein Mensch durch deutsche Waffen!