31. August 2018 Renate Adolph

Schlepper oder Retter?

Foto: Renate Adolph

Weit über 100 Menschen drängen sich dicht an dicht bei sengender Sonne um die 40 Grad ohne Schatten, Essen, Trinken, Toiletten und Schwimmwesten, oft über 10 Stunden auf seeuntauglichen Schlauchbooten. Die Boote ohne Motor sind für lediglich 60 Personen ausgelegt. Die Flüchtenden darauf wollen nur weg, um Kriegen und Armut in ihren Ländern zu entfliehen. Ihr Sehnsuchtsort ist Europa, der Kontinent, der das Elend in ihrer Heimat über Jahrzehnte mit verursachte. 

Solche bedrückenden Bilder sollen den wohlhabenden Teil der Erde nicht erreichen und schon gar nicht die Flüchtenden selbst. 

Solche Bilder sind dennoch seit dem 28. August in der Geschäftsstelle der LINKEN in Strausberg, Große Straße 45, in einer Ausstellung zu sehen, die der Landtagsabgeordnete Marco Büchel hierher holte.  

Andreas Steinert, der dem tausendfachen Ertrinken im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen wollte, berichtet von seinen schlimmen Erfahrungen vor Ort. Der Unternehmer aus Bad Freienwalde schloss sich im vergangenen Jahr der Mission Sea-Eye an. Das ist eine von mehreren zivilen Rettungsorganisationen. Sie hatte im April 2016 ihre Beobachtungs- und Rettungsaktionen vor der Libyschen Küste begonnen und konnte seither über 13000 Menschen retten. 1000 Helfer aus ganz Deutschland trugen dazu bei, ohne Bezahlung, in ihrer Freizeit und im Urlaub. Auf zwei ehemaligen Fischkuttern hielten sie nach seeuntüchtigen überfüllten Booten auf hoher See Ausschau, versorgten die Insassen mit Rettungswesten sowie Wasser und organisierten Hilfe.

Kapitalismus mordet

Die Europäische Union und einzelne Länder schotten sich zunehmend ab und kriminalisieren die Lebensretter. Dabei ist Seenotrettung  eigentlich verpflichtend in Konventionen verankert. Es heißt aber: Sie diene nur den Schleppern und alle könne man ohnehin nicht aufnehmen. Steinert verdeutlicht: Europa beherbergt bei 500 Millionen Einwohnern lediglich drei Millionen Flüchtlinge. Das ist geradezu grotesk, im Vergleich zu Jordanien oder dem Libanon, wo jeweils über zwei Millionen Menschen Zuflucht gefunden haben. Als die europäische

Rettungsmission Mare Nostrum 2014 beendet wurde, flüchteten trotzdem Zehntausende und Tausende ertranken.

In der Diskussion während der Ausstellungseröffnung wurde deutlich, dass das kapitalistische System in seiner Gier nach Profit nicht in der Lage ist, Ursachen der Fluchtbewegungen wirksam zu bekämpfen. In den afrikanischen Ländern werden weiter Bodenschätze ausgeplündert sowie Lebensmittel, Kleider und Konsumgüter aus anderenKontinenten billig verkauft, was die regionale Produktion und Entwicklung behindert. Es werden genehme Regierungen installiert und Waffen geliefert sowie der Klimawandel global nicht energisch bekämpft. Die Hilfen der Lebensretter sind ein höchst humaner aber nur kleiner Akt. Menschen ertrinken zu lassen, bedeutet moralisches Versagen, unterstreicht Steinert.