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In die Anne-Frank-Oberschule haben die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zusammen mit dem Verein „alternativen denken“ Strausberg Vertreter*innen aus Schule, Lehrerbildung, Gewerkschaft und Politik eingeladen.

Meinhard Tietz

Lehrer*innen unter Druck

„Wir fahren eine ganze Generation gegen die Wand. Lehrer*innen sind zunehmend Lebensbegleiter der Schüler*innen. Die Aufgaben konnten noch vor 5 Jahren in der Hälfte der Zeit geschafft werden.“ Diese und ähnlich allarmierende Aussagen in der ZDF-Dokumentation „Lehrer am Limit. Dauerstress im Schulalltag“, in der zwei Klassen aus Dortmund und Kassel ein halbes Jahr begleitet wurden, verdeutlichten eindrucksvoll Entwicklungsprobleme in den Schulen. Sie bildeten den Ausgangspunkt für eine Diskussion, zu der die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg zusammen mit dem Verein „alternativen denken“ Strausberg Ende Februar Vertreter*innen aus Schule, Lehrerbildung, Gewerkschaft und Politik in die Anne-Frank-Oberschule eingeladen hatte.

Schule in Brandenburg

Die Einschätzungen der Schulleiterin der Erna- und Kurt-Kretschmann-Oberschule Bad Freienwalde, Angela Hannemann, und der GEW-Kreisvorsitzenden, Karin Glashagen, dass in unseren Landkreis Märkisch-Oderland die Probleme in dieser Zuspitzung nicht oder noch nicht bestehen, beruhigten mich etwas. Dennoch wurden von den Teilnehmern*innen und den Podiumsgästen eine ganze Reihe von Problemen angesprochen. So könne Integration und Inklusion nur erfolgreich sein, wenn die Schulen grundlegende Änderung erfahren.

Kathrin Dannenberg, Bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Landtag, verwies darauf, dass es im Land Brandenburg sehr gute Schulen gäbe. Die Anerkennung der Leistungen der Lehrer*innen seitens der Politik müsse sich aber auch in konkreten Erleichterungen niederschlagen. Das gehe ihr auch in Brandenburg noch zu langsam. Sie unterstrich: „Wir haben uns vor allem auf längeres gemeinsames Lernen, die Etablierung von Schulzentren, eine bessere Stellenausstattung, den massiven Ausbau der Studienplätze für die Lehrerbildung, die Stärkung der Schulsozialarbeit und die Aufstockung der Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr konzentriert. Damit wurden viele richtige Schritte gegangen. Die Auswirkungen der jahrelang verfehlten Personalplanung konnten jedoch bei Weitem noch nicht behoben werden.“ Neben einem notwendigen Anreizsystem, um Lehrer*innen zu halten oder hierher zu holen, sei der Einsatz von Seiteneinsteiger*innen erforderlich. „Die Seiteneinsteiger sind nicht das Problem. Sie sind gegenwärtig die Lösung des Problems“, so Dannenberg.

Weitere Aktionsfelder seien die bessere Gestaltung der Praxissemester sowie die Aufhebung des Kooperationsverbots im Bildungsbereich, um angehende und bereits tätige Lehrer*innen in der Praxis wirklich gut unterstützen und ihre Arbeit erleichtern zu können.

Mehr Zeit für die Kinder

Steffen Kludt, Referent am Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung der Universität Potsdam, betonte, dass die Lehrerausbildung noch stärker auf Inklusion und Integration eingehen müsse. Es seien aber auch kleinere Klassen notwendig, so dass den Lehrer*innen mehr Zeit für die Kinder bliebe. Die Uni Potsdam habe keinen Mangel an Bewerber*innen für die Lehrerausbildung. Es würden aber noch mehr Studienplätze benötigt.

Außerdem wurde die Entlastung der Lehrer*innen von bürokratischen Aufgaben durch Hilfskräfte in den Schulen angesprochen. Und im Bildungsministerium stünden Gelder für eine sinnvolle Gesundheitsprävention zur Verfügung, die leider nur schleppend von den Schulen abgerufen würden.
Aus meiner Sicht war die Veranstaltung für alle Seiten sehr interessant und im Sinne einer guten Schulbildung für die Heranwachsenden. Die anwesenden Lehrer*innen machten deutlich, dass sie ihren Beruf sehr gerne und mit Freude ausüben.
 

Meinhard Tietz
Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg